Zwischen wilden Wasserfällen, geheimnisvollen Wäldern und faszinierender Glaskunst
Reise vom 12. bis 18. Oktober 2026
Der Bayerische Wald ist eine Landschaft voller Gegensätze: Dichte Wälder, geheimnisvolle Seen, rauschende Wasserfälle und eindrucksvolle Felsformationen prägen diese Mittelgebirgsregion im Osten Bayerns. Gleichzeitig blickt die Gegend auf eine jahrhundertealte Tradition der Glasherstellung zurück, die bis heute lebendig geblieben ist.
Montag, 12.10.2026 – Ankunft in Zwiesel
Als Ausgangspunkt für unseren herbstlichen Kurzurlaub haben wir die traditionsreiche Glasstadt Zwiesel ausgesucht und uns für fünf Nächte im Hotel Sonnenhof (inkl. Halbpension) einquartiert.
Die kleine Stadt Zwiesel liegt mitten im Herzen des Bayerischen Waldes am Zusammenfluss des Großen und Kleinen Regens und gilt seit Jahrhunderten als eines der bedeutendsten Zentren der Glaskunst in Deutschland.
Nachdem wir das Zimmer bezogen haben, steht gleich das Abendessen auf dem Programm. Anschließend genießen wir noch ein wenig den Wellnessbereich des Hotels.
Dienstag, 13.10.2026 – Großer Arbersee - JOSKA Glasparadies
Unser erster Ausflug führte uns zum Großen Arbersee, einem der bekanntesten und landschaftlich reizvollsten Seen des Bayerischen Waldes. Eingebettet in dichte Bergwälder liegt der See auf etwa 935 Metern Höhe am Fuß des Großen Arbers, der mit 1.456 Metern der höchste Berg des Bayerischen Waldes ist.
Der Große Arbersee entstand während der letzten Eiszeit durch die ausschürfende Wirkung eines Gletschers. Besonders eindrucksvoll sind die steilen, bewaldeten Hänge und die mächtigen Felswände, die den See umgeben. Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten schwimmenden Inseln: Pflanzendecken aus Torfmoosen und anderen Gewächsen, die sich im Laufe der Jahrhunderte vom Ufer gelöst haben.
Bei unserer Seeumrundung und der Wanderung durch die umliegende Berglandschaft konnten wir die herbstliche Atmosphäre in vollen Zügen genießen. Die Wälder zeigten sich in warmen Gelb-, Orange- und Brauntönen, während sich die Landschaft im dunklen Wasser spiegelte.
Die Glasherstellung ist eng mit den natürlichen Gegebenheiten der Region verbunden. Ausgedehnte Wälder lieferten früher das Holz zum Befeuern der Schmelzöfen, während Quarz und andere Rohstoffe die Grundlage für die Glasproduktion bildeten. Bis heute prägen Glashütten, Glasmanufakturen und kunstvolle Glasobjekte das kulturelle Erscheinungsbild der Region.
Einen schönen Eindruck von der Glaskunst erhalten wir bei unserem Besuch des JOSKA Glasparadies in Bodenmais. Besonders gefällt uns der Kristallgarten mit seinen fantasievollen Kunstwerken und Skulpturen aus Glas. Hier wird deutlich, wie vielseitig Glas als künstlerischer Werkstoff eingesetzt werden kann. Der zweistöckige Verkaufsraum bot darüber hinaus eine riesige Auswahl an Glasprodukten, von traditionellen Trinkgläsern bis hin zu aufwändig gestalteten Kunstwerken. Allerdings muss man sich hier auf Massentourismus einstellen und die Mehrheit der angebotenen Produkte ist schlichtweg Kitsch.
Zurück in Zwiesel besichtigten wir ein außergewöhnliches Wahrzeichen der Stadt: die berühmte Glaspyramide vor dem Werksverkauf von Zwiesel Glas. Mit einer Höhe von über 8 Metern gilt sie als die höchste Kristallglas-Pyramide der Welt. Das Erstaunliche daran: Sie besteht aus exakt 93.665 Weißweinkelchen, die millimetergenau übereinandergestapelt wurden – ganz ohne Klebstoff oder andere Verbindungsmittel. Eine bemerkenswerte Leistung, die eindrucksvoll zeigt, welche Bedeutung die Glasherstellung für Zwiesel besitzt. Im Shop von 'Schott Zwiesel' erzählt ein Film über den Aufbau dieser Pyramide.
Mittwoch, 14.10.2026 – Unterwegs im tschechischen Böhmerwald
Ausgangspunkt unserer Wanderung war der Ort Špičák, ein bekanntes Wander- und Wintersportgebiet unweit von Železná Ruda.
Von dort machten wir uns auf den Weg zum geheimnisvollen Teufelssee, dem Čertovo jezero.Der auf etwa 1.030 Metern Höhe gelegene See gehört zu den eiszeitlichen Gletscherseen des Böhmerwaldes. Er liegt in einem von steilen Berghängen eingerahmten Talkessel und verdankt seinen Namen alten Sagen, die sich um seine dunklen Gewässer ranken.
Die Wanderung durch die herbstliche Waldlandschaft war ausgesprochen stimmungsvoll. Allerdings zeigte sich unterwegs auch ein anderes Gesicht der Natur: Große Waldbereiche waren durch massiven Borkenkäferbefall geschädigt. Zahlreiche abgestorbene Fichten und kahle Baumstämme prägten das Landschaftsbild. Im Gegensatz zum Bayerischen Wald sind im hiesigen Böhmerwald kaum Wanderer unterwegs und auch die umliegenden Hotels sind geschlossen. An den Skiliften wird allerdings gearbeitet.
Im nahe gelegenen Hojsova Stráž, einem kleinen Bergort im Böhmerwald, gibt es eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit: eine sehr schöne astronomische Uhr, die direkt an der Straße gelegen ist.
Donnerstag, 15.10.2026 – Wasserfälle und gläserne Gärten
Ein besonders eindrucksvolles Naturerlebnis erwartete uns bei unserer Wanderung rund um Bodenmais. Eine Rundtour verbindet die zwei der höchsten Wasserfälle des Bayerischen Waldes miteinander. Die Wanderung gilt als eine der schönsten Tageswanderungen in Deutschland.
Hier stürzt das Wasser des Moosbach über mächtige Felsstufen in die Tiefe. Das Zusammenspiel von rauschendem Wasser, moosbewachsenen Steinen und dichtem Wald verleiht diesem Ort einen besonderen Reiz.
Weiter geht es über schmale, teilweise steinige Steigen zu den Risslochwasserfällen. Über mehrere Kaskaden überwindet der Rißbach hier einen beträchtlichen Höhenunterschied.
Die Risslochschlucht steht bereits seit 1939 unter Naturschutz und zählt damit zu den ältesten Naturschutzgebieten Bayerns. Das feucht-kühle Klima bietet zahlreichen Moosen, Farnen und spezialisierten Pflanzenarten einen Lebensraum. Besonders reizvoll war der Rückweg durch die wildromantische Schlucht. Das unablässige Rauschen des Wassers begleitete uns. Eine abwechslungsreiche Wanderung, die uns die ursprüngliche Natur des Bayerischen Waldes eindrucksvoll vor Augen führte. Interessant, dass es hier vor 100 Jahren eine am Hang aus Holz gebaute Skisprungschanze gab, wo sogar internationale Wettbewerbe durchgeführt wurden. Mehr als ein Schild weist allerdings nicht darauf hin.Am Nachmittag widmeten wir uns wieder der Glaskunst und besuchten die Gläsernen Gärten von Frauenau.
Frauenau gehört zu den traditionsreichsten Glasorten der Region. Bereits seit dem 15. Jahrhundert wird hier Glas hergestellt. Die Gläsernen Gärten sind ein außergewöhnliches Freiluft-Kunstprojekt. Auf einer Fläche von rund acht Hektar verteilen sich 27 große Glasskulpturen rund um das Glasmuseum Frauenau sowie auf den Flächen der Glashütte Eisch und der Glasmanufaktur von Poschinger.
Die Werke internationaler Glaskünstler zeigen auf faszinierende Weise, wie sich Glas weit über seine alltägliche Verwendung hinaus als künstlerisches Ausdrucksmittel einsetzen lässt. Mal transparent, mal farbenprächtig, mal monumental oder filigran – jede Skulptur entfaltet im Zusammenspiel mit Licht und Landschaft eine eigene Wirkung.
Gerade unter freiem Himmel kommen die besonderen Eigenschaften des Materials zur Geltung. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall verändern sich Farben, Reflexionen und Transparenz.
Freitag, 16.10.2026 – Der Große Pfahl und ein Wald aus Glas
Für heute haben wir uns eine Wanderung am Großen Pfahl bei Viechtach herausgesucht. Der sogenannte Bayerische Pfahl ist eine uralte geologische Störungszone, die sich über nahezu 150 Kilometer durch das Grundgebirge des Bayerischen Waldes zieht. An verschiedenen Stellen tritt das harte Quarzgestein als auffälliger weißer Felszug an die Erdoberfläche.
Besonders spektakulär zeigt sich dieses Naturphänomen bei Viechtach. Hier ragen bizarre, teilweise scharfkantige Quarzfelsen aus der Landschaft empor und bilden einen eindrucksvollen Kontrast zur umgebenden Vegetation.
Die Entstehung des Pfahls reicht viele Millionen Jahre zurück. Entlang einer tiefreichenden Bruchzone drangen kieselsäurereiche Lösungen in das Gestein ein und kristallisierten zu Quarz. Da dieser wesentlich widerstandsfähiger gegen Verwitterung ist als das umgebende Gestein, blieb er im Laufe der Erdgeschichte als markanter Felsrücken erhalten.
Bei unserem Rundgang konnten wir diese außergewöhnliche geologische Formation aus nächster Nähe bestaunen. Allerdings war die längere Wanderung (Zeichen Nr. 4) nicht so reizvoll, da sie über längere Abschnitte über kleinere, aber auch größere Straßen führte.
Auf dem Rückweg fahren wir über das kleine Städtchen Regen. Am Fuße der Burgruine Weißenstein besichtigen wir den “Gläsernen Wald”. Knapp 30 gläserne Bäume ragen in den Himmel und bilden einen ebenso ungewöhnlichen wie faszinierenden Skulpturenpark.Zu sehen sind unter anderem Tannen, Fichten, Buchen, Kiefern und Espen. Ihre Formen reichen von kegelförmigen Baumkronen über kreisrunde Äste und spitze Zweige bis hin zu spiralförmig gewundenen Stämmen. Die Farben Grün, Blau und Braun bestimmen das Erscheinungsbild dieses außergewöhnlichen Waldes. Je nach Sonneneinstrahlung entstehen reizvolle Lichtreflexe und wechselnde Farbwirkungen.
Samstag, 17.10.2026 Bayerisch Eisenstein - Rattenberg
Bevor wir weiter nach Rattenberg fahren bleibt noch Zeit, um zur Grenzstadt Bayerisch Eisenstein zu fahren. Im Museum “Kuns(t)träumen grenzenlos” gibt es aktuell die Ausstellung „Verborgene Horizonte – zeitgenössische Kunst aus Georgien“.
Unter dem Leitgedanken „Tradition und Aufbruch“ vermittelte sie einen interessanten Einblick in die aktuelle georgische Kunstszene. Georgien, geografisch und kulturell zwischen Europa und Asien gelegen, blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die sich auch in den Arbeiten seiner Künstlerinnen und Künstler widerspiegelt. Für uns von Interesse, da wir vor einem halben Jahr in Georgien gewesen sind.
Bereits im 20. Jahrhundert entwickelte sich in der Hauptstadt Tiflis eine lebendige Kunstszene, die trotz der Einschränkungen während der Sowjetzeit eigenständige Ausdrucksformen bewahren konnte. Mit der Unabhängigkeit Georgiens im Jahr 1991 eröffneten sich neue künstlerische Freiheiten und internationale Perspektiven.
Besonders die jüngere Künstlergeneration verbindet traditionelle Malerei mit zeitgenössischen Ausdrucksformen und experimentellen Techniken. Ihre Werke beschäftigen sich mit Erinnerung und Identität, gesellschaftlichem Wandel, urbanen Lebenswelten und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit. Die Ausstellung war sehenswert.
Anschließend geht es weiter nach Rattenberg, wo wir mit Freunden verabredet sind. Bei milden 16 Grad und Nebel erkunden wir die nähere Umgebung auf dem Teufelsmühl-Rundweg.
Sonntag, 18.10.2026: Bad Kötzting - Blaibach
Morgens fahren wir nach Bad Kötzting. Sehenswert ist die katholische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die Teil einer historischen Kirchenburg ist. Gemeinsam mit dem Schloss und dem befestigten Friedhof bildet sie eine geschlossene Wehranlage, die über dem Ort thront.
Im Inneren der Kirche erwartet die Besucher eine barocke Ausstattung. Besonders interessant fanden wir ein bedeutendes Gemälde der Künstlerin und Ordensfrau Berta Hummel. Berta Hummel, die später als Schwester Maria Innocentia Hummel bekannt wurde, erlangte durch ihre liebenswerten Kinderzeichnungen weltweite Bekanntheit. Sie bildeten die Vorlage für die berühmten Hummel-Figuren. Weniger bekannt ist, dass sie auch anspruchsvolle religiöse Gemälde schuf.
Den kulturellen Höhepunkt des Tages erlebten wir anschließend im Konzerthaus Blaibach.
Das kleine Dorf Blaibach beherbergt einen architektonisch außergewöhnlichen Konzertsaal, der weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt geworden ist.
Entworfen vom Architekten Peter Haimerl, wurde das 2014 eröffnete Konzerthaus als markanter, schräg in den Boden eingelassener Baukörper gestaltet. Seine reduzierte Architektur und die hervorragende Akustik machen es zu einem besonderen Ort für musikalische Aufführungen.
Auf dem Programm stand eines der bedeutendsten geistlichen Chorwerke der Romantik: „Ein deutsches Requiem“ op. 45 von Johannes Brahms (1833–1897), in der vom Komponisten selbst eingerichteten Fassung für Klavier zu vier Händen.
Anders als die traditionelle lateinische Totenmesse basiert Brahms’ Requiem auf deutschsprachigen Bibeltexten, die der Komponist selbst auswählte. Im Mittelpunkt stehen weniger Tod und Jüngstes Gericht als vielmehr Trost, Hoffnung und die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens.
Die ungewöhnliche Verbindung von tiefgründiger Musik, biblischer Poesie und der besonderen Atmosphäre des modernen Konzertsaals machte diesen Besuch zu einem eindrucksvollen kulturellen Erlebnis.
Gerade die Fassung mit vierhändiger Klavierbegleitung lässt die musikalischen Strukturen des Werkes auf eine andere, intimere Weise hervortreten als die große Orchesterfassung. Der Chor bestand nur aus 14 Sängern in vier Stimmlagen, so dass eine besonders intime Aufführung entstand. Ein schöner musikalischer Ausklang unserer abwechslungsreichen Reise!
Der Bayerische Wald bleibt uns als eine Region in Erinnerung, in der ursprüngliche Natur, lebendige Tradition und überraschend vielfältige Kultur auf wunderbare Weise zusammenfinden. Allerdings ist er landschaftlich doch dem Hochschwarzwald ziemlich ähnlich, nur zum Wandern müssen wir also nicht noch einmal dorthin reisen.
Heimreise – Zwischenstopp am Großen Alpsee im Allgäu
Auf der Heimfahrt legten wir noch einen Zwischenstopp am Großen Alpsee bei Immenstadt im Allgäu ein.
Der Große Alpsee zählt zu den größten natürlichen Seen des Allgäus und liegt malerisch zwischen bewaldeten Höhenzügen und den Bergen der Allgäuer Voralpen. Mit seiner weitläufigen Wasserfläche und der reizvollen Bergkulisse bot er noch einmal einen ganz anderen landschaftlichen Eindruck als die dichten Wälder und felsigen Schluchten des Bayerischen Waldes. Leider lädt das Wetter nicht zu einer Wanderung ein. So hoffen wir auf besseres Wetter bei einem nächsten Allgäu-Besuch.












