Eher zufällig bringt uns ein vom Tagesspiegel herausgegebener Stadtspaziergang nach Neuruppin. Die ausgestorbene wirkende Stadt hat unter anderem zwei berühmte Söhne – Baumeister Karl Friedrich Schinkel und Theodor Fontane und liegt malerisch am 14 km langen Neuruppiner See.
Eine noch heute zum Teil sehr gut erhaltene
Stadtmauer umgibt den Altstadtkern. Durch die Wallanlagen laufen wir zunächst außen um die Stadtmauer herum bis wir die Mauer des Tempelgartens erreichen. An der Abbiegung sehen wir links in der Mauer eine Frauenfigur. Nach einer Sage wird hier eine untreue Ehefrau dargestellt, die hier zur Strafe lebendig eingemauert worden sein soll.
Untreue Ehefrau - Mauer des Tempelgartens
Durch ein Tor gelangt man in den
Tempelgarten. Dieser wurde 1732 von Friedrich dem Großen angelegt und später von einer Kaufmannfamilie im orientalisch-maurischen Stil umgebaut. Es entstand eine maurische Villa (heute Restaurant) und das gegenüberliegende Gärtnerhaus mit stilisiertem Minarett. Durch das orientalische Tor verlassen wir den Tempelgarten.
Orientalisches Tor zum Tempelgarten
Theodor Fontane – ihm zu Ehren gib es einen Fontaneplatz, auf dem ebenfalls ein Denkmal zu sehen ist.
Auffällig ist der karg wirkende Bernhard-Brasch-Platz, bei Neuruppinern besser bekannt als Paradeplatz da hier zur Zeiten der Garnisonsstadt häufig Exerzierübungen stattfanden.
An der August-Bebel-Straße 14/15 befindet sich das
Museum Neuruppin im größten Bürgerhaus aus der Zeit des Wiederaufbaus; ein Brand hatte im Jahre 1787 große Teile der Stadt zerstört. Das städtischen Museum widmet sich u.a. Schinkel und Fontane sowie den Neuruppiner Bilderbögen.
Ein Blick auf den Stadtplan macht deutlich, dass die zerstörte Stadt auf dem Reißbrett neu entworfen und im regelmäßigen Straßengitternetz wieder aufgebaut wurde.
In der nahe gelegenen Wichmann-Straße befand sich die Druckerei Gustav Kühn. Die „Bilderbogen-Galerie“ erinnert daran, dass hier ab 1871 Neuruppiner Bilderbögen gedruckt wurden; einige Exemplare sind in Schaukästen ausgestellt.
Über den Schulplatz gelangen wir zum repräsentativen Bau des
Alten Gymnasiums, das den Grundriss einer barocken Schlossanlage hat. Heute beherbergt es Kultureinrichtungen und eine Ausstellung zeigt Neuruppiner Bilderbögen. Dem Gebäude gegenüber steht das Denkmal Friedrich Wilhelm II. Dieser unterstützte den Wiederaufbau der Stadt nach dem großen Brand.
Auf dem Weg zur
Pfarrkirche St. Marien kommen wir an der
Löwen-Apotheke vorbei. Diese gehörte Fontanes Vater von 1819 – 1826, im heutigen
Fontanehaus wurde selbiger am 30.12.1819 geboren.
Löwen-Apotheke - Fontanehaus
Auf dem Kirchplatz erinnert ein Denkmal an einen weiteren berühmten Sohn der Stadt. Der spätere Baumeister
Karl Friedrich Schinkel wurde am 13.03.1771 in Neuruppin geboren und lebte er mit seiner Mutter und den Geschwistern einige Jahre im nahe gelegenen Predigerwitwenhaus. Frauen und Kinder verstorbener Geistlicher waren oft durch deren Tod aller weiteren Lebensgrundlagen beraubt. Im Predigerwitwenhaus konnten sie kostenfrei wohnen.
Baumeister Karl Friedrich Schinkel
Schon von weitem sieht man das Wahrzeichen Neuruppins, die 62 m hohen Türme der
Klosterkirche St. Trinitatis. Sie war der Mittelpunkt des 1246 am Ruppiner See gegründeten Dominikanerklosters und ist das älteste erhaltene Bauwerk Neuruppins. Die anderen Gebäude des Klosters existieren nicht mehr. Vom Vorplatz hat man einen sehr schönen Blick auf den Neuruppiner See.
Klosterkirche St. Trinitatis
Schlendert man die Uferpromenade des Neuruppiner Sees entlang, stösst man unweigerlich auf die 17 m hohe moderne Edelstahlskulptur von Parzival. Sie wurde 1998 anlässlich der Verleihung des Namens "Fontanestadt" an Neuruppin enthüllt.
Parzival am Neuruppiner See
Dargestellt wird ein Antiritter mit dem Windrad in der einen und der Arche, als Symbol des Überlebens, in der anderen Hand. Die Symbolfigur steht für die Fähigkeit zur Erkenntnis und Umkehr – in diesem Fall für den Versuch, aus der deutschen Geschichte zu lernen.
Letzte Aktualisierung: Juni 2006 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker
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